Die große Still-Diskussion: Warum Adele meine ‚Mama des Jahres‘ ist.

„You can go f**k yourself, alright? Because it’s hard. Some of us can’t do it. (…)“

Es war ihre Antwort. Auf die Aussage, alle Mütter müssen ihre Kinder stillen.

Wie die australische Seite ‚Mamamia‘ berichtet, machte Sängerin Adele ihren Standpunkt  während einer „Q&A-Session“ in London zu diesem sehr sensiblen Thema deutlich.

IMG_7230

Und wisst ihr was? Sie hat recht!

Ich spreche aus Erfahrung. Auch ich hatte Probleme mit dem Stillen. Und ich habe mir furchtbare Vorwürfe gemacht. „Das gehört sich so. Das muss klappen. Mein Kind braucht diese Muttermilch.“

Ja, auch ich weiß, sie ist das Beste für ein Baby. Ja, auch ich hätte mir gewünscht, es hätte einfach funktioniert. Und glaubt nicht, ich hätte nicht wirklich alles versucht. Stundenlang saß ich mit der Milchpumpe auf dem Sofa. Tränenüberströmt, weil einfach nicht genug kam, um mein Kind satt zu kriegen. Ich habe mich eine ganze Weile durchgebissen. Schlimme Schmerzen und Entzündungen inklusive. Bis es einfach nicht mehr ging.

Den Druck bei der ganzen Sache habe aber nicht nur ich selbst mir gemacht. Hier der Satz, den ich so ziemlich überall gehört habe. In der Apotheke, der Hebammenpraxis, beim Kinderarzt, bei meiner Gynäkologin, selbst von irgendwelchen unbekannten Idioten: „Sie stillen sicherlich!“ – Ausrufezeichen. Nein, ich stille nicht mehr. Und das hat auch seine Gründe.

Es ist nur ein kleiner Satz, über den sich viele gar nicht erst aufregen würden. Aber wenn man solchen Situationen als frischgebackene Mama fast täglich ausgesetzt wird und ohnehin schon mit dem Problem zu kämpfen hat, ist das ziemlich belastend.

Was bitte läuft in unserer Gesellschaft denn überhaupt so schief?! Einerseits werden Mütter niedergemacht, wenn sie ihr Kind in der Öffentlichkeit stillen möchten. Auf der anderen Seite ist man eine Rabenmutter, wenn das Baby die Flasche kriegt.

Ich habe eigentlich ein gesundes Selbstbewusstsein. Trotzdem überkam mich oft ein Gefühl von Scham, wenn ich Leni mit der Flasche gefüttert habe. Ich habe mich gerechtfertigt. Jedes Mal. Heute frage ich mich echt, wieso überhaupt?

Keiner hat das Recht, eine Mutter für ihre Entscheidung, nicht zu stillen, zu verurteilen. Vielleicht kann sie es einfach nicht. Vielleicht will sie es auch einfach nicht. Vielleicht hat sie andere Gründe, es nicht zu tun. Fakt ist: Es geht niemanden etwas an.

Und wer sich doch daran stört, sollte sich mal die weisen Worte von Adele anhören. Einer Frau, die den Mut hat zu sagen „You can go f**k yourself!“.

 

Dieser Artikel erschien auch bei Brigitte MOM und der „Huffington Post“.

 

Advertisements

12 Gedanken zu “Die große Still-Diskussion: Warum Adele meine ‚Mama des Jahres‘ ist.

  1. Ja, ist doch Scheiße diese ganze Stilldiskussion. Bei meiner ersten hat das Stillen problemlos geklappt. Bei der zweiten hatte ich so dermaßen Schmerzen, dass ich nur geheult habe. Ich habe mich so gequält. Wofür?
    Und wenn dann noch jemand kam und meinte, dass das doch alles ganz easy ist, hätte ich schreien können.
    Also ja, Adele hat recht. Go and f**** yourself.

    Gefällt 1 Person

  2. Finde den Beitrag gut und bin auch der Meinung das sich eine Mutter für die Entscheidung die sie für sich und ihr baby trifft nicht rechtfertigen soll/muss/braucht! Allerdings finde ich auch das die Aussage „ich kann/konnte nicht stillen“ heutzutage auch einfach aus Bequemlichkeit getroffen wird und das finde ich einfach schade. Auch das viele frische Muttis oft direkt im KH so verunsichert werden und vor allem am Anfang wenig oder schlechte Unterstützung zu dem Thema Stillen erhalten finde ich schade. Lieber wird dann das Geld und die Kraft für erstmal unnützes geopfert. Stillen ist schließlich mehr als nur Nahrung.

    Gefällt 1 Person

    1. Weißt du eigentlich, wie verletzend es ist, wenn man zu hören bekommt, man hätte aus Bequemlichkeit nicht gestillt?! Und benutzt „ich konnte nicht als Ausrede“?! Sei froh, dankbar und glücklich, dass es bei dir geklappt hat. Aber überlege dir sehr gut, was du Nicht-Stillenden-Müttern pauschal unterstellst. Worte können sehr verletzend sein und du kennst oftmals die Geschichte hinter „ich konnte nicht“ nicht!

      Gefällt mir

      1. Liebe Florentine,
        ich unterstelle niemandem pauschal etwas und ich bin auch keine person die Nicht-Stillende Muttis, aus welchem Grund auch immer, als schlechter ansieht. Wie ich im ersten satz geschrieben habe: Keine Mutti braucht/soll/ muss sich für ihre Entscheidung rechtfertigen! Ich laufe auch nicht durch die Gegend und urteile über Frauen egal ob sie stillen oder nicht stillen und schon gar nicht wenn ich die Geschichte dahinter nicht kenne!!! Du hast aber recht, ich hätte mich in dem Kommentar mehr auf mein Umfeld beziehen sollen, denn hier kenn ich die Geschichten hinter dem „nicht können“ und diese sind, bis auf eine, mehr Bequemlichkeit als ein Tatsächliches „nicht können“!

        Gefällt mir

  3. Ein toller Artikel! Der Druck von außen ist wirklich sehr groß, das ist mir auch aufgefallen. Die Unterstützung für frischgebackene Mamas allerdings nicht so sehr, wie auch schon eine andere Mama in ihrem Kommentar festgestellt hat. Ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, wie zum Beispiel das Stillen am Arbeitsplatz (trotz gesetzlicher Regelung) im Arbeitsalltag funktionieren soll. Und wenn immer davon ausgegangen wird, dass man ja stillt, dann traut sich ja auch keine Mama mehr zu sagen, dass sie es nicht tut oder sie damit Schwierigkeiten hat.
    Warum gibt es denn überhaupt eine Diskussion zum Thema Stillen? Ich finde es schade, dass Mamas, stillend oder nicht, sich untereinander fertig machen, doofe Kommentare abgeben und lästern. Wir Frauen sollten doch zusammen halten! Wenn Du stillst, gut so. Wenn nicht, dann eben nicht! Wir können doch mit unseren Kommentaren sowieso niemanden ändern.
    Ich war tatsächlich sehr froh, dankbar und glücklich darüber, stillen zu können, möchte mich aber auch nicht schlecht fühlen, weil ich das tun konnte, was andere aus hundert verschiedenen Gründen nicht tun können. Stillen ist nun wirklich nicht easy und ich verurteile Mütter nicht, wenn sie nicht stillen. Ich vermute aber, das viele (besonders junge) Mütter, schnell verunsichert sind wenn es nicht gleich klappt mit dem Stillen und zu schnell aufgeben bzw. einfach nicht wissen, wer oder was ihnen helfen kann. Ich möchte gerne anderen Müttern Mut machen, es zu versuchen, und um Himmels nicht denen gegen den Karren fahren, die nicht stillen. Nicht jede Meinung des einen ist gleichzeitig eine Kritik am Leben des anderen.

    Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s