5 Vorurteile über Kaiserschnitt-Mütter, die so nicht stimmen!

Unsere Tochter kam per Kaiserschnitt zur Welt. Nach zwei Tagen im Kreißsaal und 16 Stunden künstlich eingeleiteter Wehen ging es einfach nicht vorwärts. Das Baby musste raus.

Hier sind 5 Vorurteile, die jede Kaiserschnitt-Mutter kennt:

„Das hast du dir bestimmt anders vorgestellt!“

Zuvor habe auch ich sie mir gewünscht: Die perfekte Geburt. Eine, wie man sie aus Hollywood-Filmen kennt: Schnell ins Krankenhaus, einmal niesen – „Hatschi“ – und das Kind liegt frisch gebadet und gewickelt auf Mamas Brust. Dass die Realität im Kreißsaal anders aussieht, habe ich schnell kapiert…

Das letzte was wir Mütter nach einem Kaiserschnitt jedoch brauchen, ist Mitleid! Warum werden wir bedauert? Man kann eben nicht alles beeinflussen. Wenn es auf normalem Weg klappt, wunderbar. Wenn nicht, sollten wir einfach froh sein, dass wir die medizinischen Mittel haben, eine Geburt trotzdem gesund durchzustehen.

Leider wird der folgende Weg aber oft als der einzig richtige idealisiert: Eine natürliche Geburt, am besten ohne PDA und Schmerzmittel.

Und damit wären wir bei Vorurteil Nummer zwei: „Nur auf natürliche Weise kann die Erfahrung für eine Frau und ihr Kind beglückend sein.“ Ach ja?

Falsch.

Auch ein Kaiserschnitt kann eine tolle Geburtserfahrung mit sich bringen. Für mich war der Eingriff nach zwei Tagen Strapazen die pure Erlösung. Ich habe keinen Schmerz mehr gespürt, war aber trotzdem bewusst dabei als unsere Tochter zur Welt kam. Ich durfte ihre zarten Wangen unmittelbar nach der OP an meinem Gesicht spüren. Ich durfte mit ihr kuscheln und ihre kleinen Händchen halten. Es war der bis dahin schönste und emotionalste Moment in meinem Leben. Trotz Kaiserschnitt.

„Beim Kaiserschnitt erwarten dich die Schmerzen danach“, hieß es immer.

Das kann bei einigen Frauen tatsächlich so sein. Ebenso kann dieses Szenario aber auch bei einer natürlichen Geburt eintreten.

Hier ein Beispiel: Ein Mädchen auf meiner Station konnte nach ihrer natürlichen Geburt vier Tage lang nicht aufstehen, geschweige denn zur Toilette gehen. Sie hatte furchtbare Schmerzen. Auch bei ihr verlief eben nicht alles wie im Film.

Ich dagegen habe nach 24 Stunden meinen ersten kurzen Spaziergang gewagt, trotz OP. Auch ich hatte Schmerzen, aber angefühlt haben die sich eher wie ein schlimmer Bauchmuskelkater nach intensivem Sport. Alles halb so wild.

Ich hatte einfach Glück. Das große Glück eines schmerzfreien Kaiserschnitts ohne negative Folgen. Ebenso wie andere Mütter das Glück haben, ihr Kind in kürzester Zeit und  schmerzfrei auf natürliche Weise zu entbinden. Und dafür bin ich dankbar.

„Du wirst ewig mit einer Narbe herumlaufen.“

Ja, das stimmt. Allerdings sieht diese Narbe dank moderner Geburtsmedizin niemand außer mir selbst. Sie ist so klein, dass man sich kaum vorstellen kann, dass an dieser Stelle ein 3010g schweres Baby raus kam.

Und wenn ich sie mir anschaue, sehe ich keine hässlichen OP-Narbe. Im Gegenteil. Ich sehe den Moment vor mir, in dem mir meine Tochter geschenkt wurde. Und ich trage diese Erinnerung voller Stolz und mit einem Lächeln auf dem Gesicht. Jeden Tag. Für den Rest meines Lebens.

„Du warst einfach nicht stark genug für eine natürliche Geburt.“

Wenn eine Mutter, gewollt oder nicht, per Kaiserschnitt entbindet, wird dieser Wunsch häufig belächelt. Warum?

Auch eine Geburt per Kaiserschnitt verlangt einer Mutter seelische und körperliche Höchstleistungen ab. Wisst ihr eigentlich wie es sich anfühlt, wach auf einem OP-Tisch zu liegen mit dem Wissen, dass hinter dem Vorhang der eigene Körper aufgeschnitten und wieder zugenäht wird?

Manche Frauen müssen aus medizinischen Gründen währenddessen sogar in Vollnarkose versetzt werden. Sie bekommen den ersten Schrei ihres Babys gar nicht mit. Glaubt nicht, sie hätten es sich nicht anders gewünscht.

Ob auf natürlichem Weg oder per Kaiserschnitt: Alle Mamas haben eine Tapferkeitsmedaille verdient! Denn egal wie, eine Geburt ist alles andere als „bequem“.

 

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14 Gedanken zu “5 Vorurteile über Kaiserschnitt-Mütter, die so nicht stimmen!

  1. Das musste mal genau so gesagt werden. Danke dafür!
    Mein Sohn ist auch per Kaiserschnitt auf die Welt gekommen und auch ich hatte trotzdem ein wunderschönes Geburtserlebnis. Nach 20 Stunden (mit PDA wohlgemerkt) war das Risiko für das Baby zu hoch und ich habe keine Sekunde gezögert, den Kaiserschnitt vornehmen zu lassen. Dass mir das Bonding nach der Geburt sehr wichtig ist, habe ich bei den Vorgesprächen bereits gesagt und auch vor dem Kaiserschnitt noch einmal betont und hatte Glück, dass darauf auch sehr eingegangen wurde. Nachdem mein Sohn in meinen Armen lag, habe ich keine weitere Sekunde mit der Entscheidung gehadert oder mich nie als minderwertig gefühlt, auch wenn einigen Freunden das Mitleid im Gesicht geschrieben stand oder wenn mehrere betont erzählt haben, wie sie ihre 5 Kilo-Babys rausgepresst haben 🙂
    Wie jeder Mensch verschieden ist, so ist es auch jede Geburt.
    Ich maße mir nicht an, zu denken, jeder Kaiserschnitt wäre ein Spaziergang, aber es ist schön zu hören, dass auch andere ihren Kaiserschnitt einfach als ’normal‘ genommen haben und ein schönes Geburtserlebnis damit hatten. Das hört man viel zu selten.

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    1. Danke, dass du deine Erfahrung mit mir hier teilst! ❤
      Das mit den 5kg Babies kenne ich auch zu gut, musste so lachen beim Lesen :D!
      "Toll hast du das gemacht!" – Wir aber auch! 😉

      Ich bin einfach froh, dass wir in diesem Zeitalter unsere Kinder ohne große Komplikationen zur Welt bringen können. Das ist ein großer Luxus und das sollte man einfach wertschätzen statt sich den Kopf darüber zu zerbrechen, ob man mit den "Naturgeburten" mithalten kann. Liebe Grüße!

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  2. Liebe Inka,
    Es war wieder herrlich erfrischend deinen Beitrag zu lesen.
    Ich habe meine beiden „natürlich“ zur Welt gebracht.
    Was musste ich mir nämlich für Horrorstorys anhören. Als Übergewichtige bekommst du eh einen Kaiserschnitt! Die Wundheilung lässt da übrigens auch zu wünschen übrig und dann die Schmerzen, nichts kannst du mehr alleine machen. Das Kind hat keine richtige Geburtserfahrung, die Atmung ist schlechter und dann die ganzen Infektionen….
    Auf Biegen und Brechen habe ich dann beim Großen 5 Tage Wehen verarbeitet. Vielleicht, aber hier spekuliere ich nur, wäre da ein Kaiserschnitt für uns beide besser gewesen. Aber die Angst war einfach zu groß.

    Jede Geburt ist einzigartig und besonders in ihrer Art und Weise.
    Einen schönen Abend wünsche ich dir noch.
    Liebe Grüße Lalemie

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    1. Liebe Lalemie! Danke für deine Geschichte. 5 Tage Wehen?? WOW! Respekt! Wie du es bereits sagst, jede Geburt ist wie sie nunmal ist. Und jede Frau sollte das Recht haben selbst zu entscheiden wie sie ihr Kind zur Welt bringen möchte. Ohne Vorurteile. Liebe Grüße!

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  3. Liebe Inka,
    ich finde deinen Beitrag toll und freue mich, dass es auch Mütter gibt, die – wie ich – pragmatisch an die Sache rangehen. Warum starke Schmerzen der Mutter und Risiken für das Kind so gut sein sollen, habe ich nie verstanden und heute halte ich die ewigen Reden darum für völligen Humbug. Wenn Mutter und Kind nach der Geburt wohlauf sind, ist doch alles andere nur Gerede.
    Liebe Grüße
    Maria

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  4. Ich bin so begeistert von diesem Blogpost! Mir wird, wenn ich jemals ein Kind bekomme ein Kaiserschnitt bevorstehen, aufgrund einer Erkrankung und ich habe schon jetzt Ängste, wie sie in deinen Vorurteilen zusammengefasst sind! Danke für diese tollen Worte! Das macht Mut!

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  5. Liebe lovelyoliv! Hab keine Angst! Dann ist es nunmal so. Ein Kaiserschnitt kann auch eine ganz tolle Erfahrung sein – Für mich waren die zwei Tage davor mit Wehenmittel usw. um ein tausendfaches schlimmer. Lass dich einfach darauf ein, wenn es soweit ist. Ich bin sehr, sehr dankbar, dass ich diese Option hatte! Und siehe da: Meine Tochter ist nach einem Jahr putzmunter und gesund, wie alle anderen Babys in ihrem „Freundeskreis“ ;). Liebe Grüße!

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  6. Toller Beitrag! Ich bin der Meinung dass NIEMAND, wirklich gar niemand (auch keine andere Mutter, Oma oder sonstwer) sich anmaßen darf zu urteilen warum man wie entbunden hat.
    Ich hatte 2 natürliche Geburten – eine „normale“ und eine „Sturzgeburt“ – 3h von der ersten Wehe bis das Baby da war – ihr könnt euch nicht vorstellen was ich mir alles anhören konnte von „na das war ja ein Spaziergang“ bis „ich hätte mir auch so eine unkomplizierte Geburt gewünscht“ usw. (Meine Tochter musste beatmet werden, weil sie so „traumatisiert“ war und ich hatte einen Dammriß jenseits von gut und böse weil das Gewebe nicht mitkam, ich hätte es mir weiß Gott auch anders gewünscht)
    Generell kann ich sagen dass keine meiner Geburten besonders schön, berauschend, bewegend oder ein Erlebnis war (mein Sohn blieb stecken und bewegte sich stundenlang keinen Millimeter mehr) und wenn ich mit dem jetzigen Wissen nochmal entscheiden dürfte würd ich einen Kaiserschnitt wählen.
    Und auch das ist meine Entscheidung, genauso wie jeder andere auch für sich und sein Baby entscheiden darf und kann. Und absolut niemand hat sich da einzumischen!
    Leider ist es ohnehin so, dass man als Mutter immer alles falsch macht, seis Stillen oder Nichtstillen, Tragen oder Kinderwagen, wann in den Kindergarten usw…. egal was man tut, JEDER, wirklich jeder weiß es besser, was für dich und dein Kind gut ist…
    Hört einfach nicht drauf, antwortet mit „heut ist ein wunderschöner Tag“, irgendwann merken die Leute, dass es einem am A…. vorbeigeht, was sie von sich geben 😉
    Alles Liebe
    Lexxi

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    1. Liebe Lexxy, vielen Dank für diese spannende Geburtsgeschichte! (Und bitte entschuldige die verspätete Antwort, der Alltag hatte und aufgefressen und dann haben wir auch ein bisschen Sommerpause gemacht). Deine Story ermutigt einfach nochmal mehr, auf sein eigenes Gefühl zu hören. Egal ob natürliche Geburt oder Kaiserschnitt – es lässt sich rein gar nichts vorhersagen und es kann bei beiden Varianten gut oder schlecht laufen. Alles Liebe für dich und deine Familie! Inka

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  7. Liebe Inka

    Danke für Deinen tollen Beitrag.

    Auch ich hatte zwei Kaiserschnitt-Geburten und bin sehr dankbar, dass es diese Möglichkeit gibt. Ohne Kaiserschnitt hätten meine Kinder heute wahrscheinlich keine Mutter mehr. Mein erstes Kind war Beckenendlage und vielleicht hätte es auf normalem Weg geklappt. Vielleicht. Aber vielleicht auch nicht und dann hätte ich heute vielleicht keine Tochter. Aus diesem Grund habe ich mich für einen Kaiserschnitt entschieden (den Termin hat meine Tochter aber selbst bestimmt ^^). Beim zweiten Kind war eine natürliche Geburt geplant, aber mein Sohn hatte wohl etwas dagegen und obwohl mit ihm alles in Ordnung war, haben die Geräte die Herztöne während den Wehen immer wieder verloren, so dass im wirklich letztmöglichen Moment die Ärztin einen Kaiserschnitt angeordnet hat. Damit hat mein Sohn mir schon vor seiner Geburt das Leben gerettet, da ich bei einer natürlichen Geburt wahrscheinlich innerlich verblutet wäre, ohne dass die Ärzte dies gesehen hätten.
    Immer wieder bekommt man zu hören, dass es ja so leicht war und mit Sicherheit wäre eine natürliche Geburt für mich schmerzhafter gewesen (ich gehöre auch zu den Glücklichen, die danach nur relativ wenig Schmerzen hatte und auch die Narbe ist schnell verheilt). Aber ohne Kaiserschnitt weiß niemand, ob meine Tochter überlebt hätte und beim zweiten Kind hätte ich sehr wahrscheinlich nicht überlebt.
    Und trotzdem bekommt man immer wieder zu hören, dass man es sich ja leicht gemacht hat. Man bekommt oft das Gefühl vermittelt, dass man durch den Kaiserschnitt eine schlechtere Bindung zu den Kindern hätte oder eine Versagerin ist.
    Egal warum jemand sich für oder gegen die natürliche Geburt entscheidet (und ich hätte wirklich gerne eine natürliche Geburt erlebt) oder auch für oder gegen das Stillen. Es ist jedem selbst überlassen. Eine gute Mutter versucht so zu handeln, wie es für das Kind am besten ist. Und dazu gehört auch, dass sie auf sich selbst achtet und es ihr gut geht. Jede Frau hat ihre Gründe, warum sie sich für einen bestimmten Weg entscheidet und da gibt es kein richtig oder falsch und keinen leichten oder schweren Weg. Einfach ist weder die eine noch die andere Methode.

    Darum finde ich es toll, dass Du mit Deinem Post dazu beträgst, dass dieses Thema zur Sprache kommt.
    Vielen Dank dafür.

    Liebe Grüße,
    Melanie =^_^=

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