Warum ich mein Kind nicht im Internet zeige.

Bereits wenige Stunden nach dem Frauenarztbesuch erscheint das erste Foto von Emma auf Facebook. „Es wird ein Mädchen“, schreibt die glückliche Mama unter das Ultraschallbild. 126 Freunden gefällt das. Emma selbst bekommt davon nichts mit, sie ist noch nicht einmal auf der Welt.

In den kommenden Monaten folgen weitere Bilder. Vom Warten im Kreißsaal. Dem ersten Schnappschuss mit zerknautschtem Gesicht nach der Geburt. Auch Fotos zusammen mit Oma und Opa werden hochgeladen. Bilder vom Wickeltisch und aus der Badewanne.

Vom ersten Tag an wird Emmas Leben öffentlich an der digitalen Pinnwand der Eltern präsentiert.

„Emma“ existiert nicht wirklich. Sie ist nur ein Beispiel, um den meiner Meinung nach oft leichtsinnigen Umgang mit der Privatsphäre unserer Kinder zu verdeutlichen.

Schnappschüsse von den eigenen Kindern sind die schönsten Bilder. Mein eigenes Handy ist voll davon. Aber muss ich diese Fotos gleich mit der ganzen Welt teilen? Nein.

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Über den Familienalltag bloggen und gleichzeitig das Gesicht meines Kindes schützen? Es geht!

Als unsere Tochter zur Welt kam, haben mein Mann und ich uns ganz bewusst dazu entschieden, das Gesicht unserer Tochter zu schützen. Nicht nur hier auf der Seite, sondern auch auf unseren privaten Facebook-Accounts hat bis heute noch niemand ihr Gesicht zu sehen bekommen. Kinderfotos mögen süß sein, doch sie haben meiner Meinung nach nichts auf Social Media Plattformen verloren.

Viele Eltern sind da deutlich entspannter und stellen das Leben ihres Nachwuchses ungehemmt im Netz zur Schau. Diese Entscheidung liegt natürlich jedem frei. Ich selbst folge mit Freude vielen Müttern, die ganz öffentlich Bilder von ihren Kindern online stellen.

Hier sind drei Gründe warum wir uns allerdings dagegen entschieden haben:

Von wegen „privat“!

Ich habe knapp 600 „Freunde“ auf Facebook. Bei vielen kann man von einer echten Freundschaft jedoch gar nicht sprechen. Es sind teilweise Schulfreunde aus alten Zeiten, die ich seit locker 9 Jahren nicht mehr gesehen habe. Oder nette Menschen, die ich irgendwo auf Reisen kennengelernt habe. Arbeitskollegen. Freunde von Freunden, mit denen man vielleicht irgendwann einmal einen lustigen Abend an der Bar verbracht hat.

„Freundschaftsanfrage bestätigen“ – ja, ok. Aber müssen diese Leute gleich täglich miterleben wie meine Tochter aufwächst? Geht diese Bekanntschaften das erste Ultraschallbild meiner Tochter wirklich etwas an?

Ich teile diese besonderen Aufnahmen lieber mit einem auserwählten Kreis von Familie und engen Freunden.

Bilder können geklaut werden!

Nennt mich paranoid, aber da draußen gibt es nicht nur Gutmenschen. Instagram & Co. können auch Plattformen für Leute mit bösen Absichten sein. Pädophil veranlagte Menschen beispielsweise, die sich hinter Fake-Profilen verstecken und die Bilder meines Kindes für ihre Zwecke nutzen. Das niedliche Foto vom Badeurlaub kann so ganz schnell per Screenshot ungewollt in die falschen Hände gelangen. Selbst die Hagener Polizei hat vor einigen Monaten mit diesem Posting auf die Gefahren von Kinderfotos im Netz aufmerksam gemacht.

Ich will nicht sagen, dass es tatsächlich so sein muss, aber allein der Gedanke daran bringt mich dazu, vorsichtig mit der Privatsphäre meiner Tochter umzugehen.

Das Internet vergisst nicht.

Liegt es also wirklich im Interesse meines Kindes eine Vielzahl möglicher Peinlichkeiten öffentlich zu posten? Fotos, die ich heute niedlich finde, können selbst viele Jahre später ein potenzieller Auslöser für Lästerattacken werden. Wir alle wissen, wie gemein Kinder manchmal sein können. Ich als Mama möchte dafür nicht verantwortlich sein.

Vielleicht will meine Tochter später auch einfach nicht, dass ihre komplette Kindheit im Netz zu sehen ist. Und wer jetzt argumentiert, dass man Fotos auch jederzeit wieder von Internetplattformen löschen könne, vergisst, dass das Internet eben nichts vergisst.

Natürlich sind ihre Schnappschüsse wunderschön. Aber ich persönlich muss mir das nicht mit hunderten Likes auf Facebook bestätigen lassen.

Es gibt andere Möglichkeiten, eure Erfahrungen zu teilen!

Ein Familienblog ganz ohne Familienfotos? Das funktioniert irgendwie auch nicht. Aber es gibt Wege seine Texte zu bebildern ohne dabei gleich alles preiszugeben.

Viele Mamablogger, inklusive mir, posten Kinderfotos ohne Gesichter. Da sieht man dann statt dem süßen Lächeln eben mal Detailaufnahmen einer Kinderhand, laufende Patschefüßchen oder einen Kinderrücken. Und es klappt: Auch gesichtslose Schnappschüsse können wirklich prima aussehen. Man braucht eben nur etwas Kreativität.

 

 

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6 Gedanken zu “Warum ich mein Kind nicht im Internet zeige.

  1. Hallo Inka. Ich teile deine Meinung. Einerseits würde man vor lauter Stolz natürlich jedem sein Kind zeigen und „angeben“ ;). Aber die Risiken sind einfach zu groß dass man keine Kontrolle mehr über die Bilder hat. Sollen die Kleinen doch selbst später mal entscheiden ob sie Fotos von sich mit anderen teilen möchten. LG Sherin

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  2. Unser Zwerg wird auch niemals im Netz zu sehen sein. Er taucht zwar ab und zu bei Instagram auf, aber eben nur von hinten, eine Hand und einmal hab ich ihn komplett aber mit ausradiertem Gesicht. Das mag ich so zwar weniger, doch einmal ging das. Ich mag es gar nicht, wenn schon wenige Minuten nach der Geburt das 1. Foto bei Facebook erscheint. Wenn ich so auf meiner Facebook Seite herumschaue, scheint das Zeigen des Kindes vollkommen normal.
    xoxo & liebste Grüße 💙
    Sina von https://CasaSelvanegra.com

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  3. Liebe Inka,

    genau so sehe ich das auch! Wir mussten vor der Geburt unserer Großen gar nicht diskutieren. Genau die drei Pukte, die Du hier ansprichst, hatten wir direkt im Kopf. Damals hatte ich noch keinen Blog, sondern nur einen Facebook-Account. Als dann der Blog dazu kam, habe ich mir schon Gedanken dazu gemacht, wie ich wohl ohne Fotos meiner Kinder auskomme, aber das ist rückblickend betrachtet gar kein Problem.

    Es soll wirklich jeder selber für sich entscheiden, doch es wäre auch schön, wenn diese Entscheidung nicht immer wieder in Frage gestellt würde. Leider ist bei Freunden, Verwandten und Bekannten nicht immer im Hinterkopf, dass man vielleicht nicht möchte, dass Bilder von meinen Kindern im Internet landen. Wir mussten schon mehrfach darum bitten, dass Bilder wieder rausgenommen werden. Ich hoffe, dass das Bewusstsein hierfür weiter wächst. Dazu trägt Dein Artikel sicherlich bei, Dankeschön!

    Alles Liebe
    Nadine

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  4. Ich finde es richtig, auf die Gefahren hinzuweisen. Allerdings wird mir hier zu viel unter einen Kamm geschärt und unnötig verrückt gemacht.
    Facebook unterscheidet bei allen Kontakten zwischen Freunden und Bekannten. Wo ist also das Problem, flüchtige Bekannte eben zu „Bekannten“ zu machen und dann private Fotos nur mit „Freunde ohne Bekannte“ zu teilen? Das ist ein simpler Klick und kinderleicht. Kann dieses Argument beim besten Willen nicht verstehen.
    Dann ist doch Kinderfoto nicht gleich Kinderfoto. Es ist doch ein Unterschied, ob ich ein schönes Foto mit mir und meinem Kind im Arm teile, oder ob ich mein Kind halbnackt am Strand ablichte!
    Es gibt bedenkliche Fotos und es gibt Fotos bei denen man sich auch unnötig verrückt machen kann.
    Und Hand aufs Herz, stellt ihr wirklich freiwillig hässliche oder peinliche Bilder eurer Kinder ins Netz? Die Fotos, die ich in meinem dafür eingegrenzten Facebook-Kreis teile, sind Fotos, auf die meine Kinder später stolz sein können. Wie sollen sie damit denn gehänselt oder aufgemacht werden?
    Und zuletzt müssen wie bedenken, dass unsere Kinder nicht in unserer Generation aufwachsen sondern in ihrer eigenen, bei der die Wahrnehmung und Darstellung im Internet Alltag ist. Ein Kind das da völlig außen vor gelassen wird, ist zu vergleichen mit Menschen aus unserer Generation, die als Kind nie fernsehen durften. Das hatte auch seine Vor- und Nachteile.
    Also bitte Verantwortung ja, grundsätzliches Tabu nein.

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