Geburtsbericht: mein zweiter Kaiserschnitt

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Ich hatte euch bereits von meinem Wunsch nach einer selbstbestimmten Geburt berichtet und ein klitzekleines bisschen hatte ich diesmal auf eine natürliche Geburt gehofft. Es wäre meine allerletzte Chance gewesen, denn nach zwei Kaiserschnitten müssen alle weiteren Kinder auch per Kaiserschnitt geboren werden.

Es kam anders und dennoch war es eine wunderschöne Erfahrung. Hier mein Rückblick:

Der große Tag

Nachts um zwei habe ich den ersten Anflug von Wehen. Sind es überhaupt welche? Ich weiß es nicht. Immerhin hatte ich noch nie welche, denn Lenis Geburt vor zwei Jahren wurde eingeleitet und somit kenne ich nur medikamentös eingeleitete Wehen durch den Tropf – und die wünsche ich keinem.

Jetzt habe ich leichte Krämpfe, alle zehn Minuten. Vollkommen aushaltbar, aber dennoch regelmäßig. Nach einer Stunde verschwinden sie wieder. Das geht die ganze Nacht so, immer wieder. Ich bin unsicher, denn so richtig schmerzhaft sind sie nicht verglichen mit dem, was ich kenne.

Nach dem Aufstehen beschließen wir, erstmal eine Runde mit dem Hund zum Bäcker zu laufen. Spazieren soll ja helfen. Als wir wieder zu Hause sind, ist mir irgendwie klar: Coco hat sich seinen Geburtstag ausgesucht. Heute kommt er auf die Welt.

Es ist ein Samstag und da ich über dem errechneten Termin bin, muss ich sowieso zum CTG in die Klinik. Ich erzähle der Ärztin von meiner Nacht und nach der Untersuchung bestätigt sie, dass das eindeutig Wehen sind, die sie da auf dem Gerät sieht – nur leider spielt mein Muttermund nicht mit. Kein bisschen geöffnet und das Baby sitzt noch nicht einmal richtig im Becken. Ich fahre also wieder nach Hause.

Dort gehen kurze Zeit später die Wehen dann so richtig los. Stechende Schmerzen ziehen sich alle 2-3 Minuten bis in den Rücken hinein. Meine Mutter ist mittlerweile angekommen, um auf Leni aufzupassen, und wir fahren zurück ins Krankenhaus – diesmal inklusive Kliniktasche.

Nach weiteren fünf Stunden im Kreißsaal hat sich der Muttermund nach wie vor kein Stück geweitet. Wenn überhaupt sind wir bei einem knappen Zentimeter. Damit das Kind kommen kann, brauchen wir zehn. Die Vermutung, dass das Baby im Becken feststeckt, bestätigt sich beim darauf folgenden Kaiserschnitt.

Die OP

Ich werde in den OP geschoben. Die Wehen sind kaum noch auszuhalten. Zwischen zwei Wehen wird mir die Spinalanästhesie gelegt. Diese wird mit einer sehr dünnen Nadel in den Rückenmarkkanal zwischen zwei Lendenwirbel gespritzt. Davon kriege ich fast gar nichts mit, denn  die Einstichstelle wird vorher örtlich betäubt. Ich werde in die richtige Position gebracht und langsam verschwindet das Gefühl in meinen Beinen. Meine Hände und Zähne zittern wie verrückt. Obwohl ich die Situation kenne, bin ich unglaublich nervös. Gleich werden wir ihn sehen, unseren kleinen Sohn. Unser Baby, das ich jetzt schon so unendlich liebe.

Mein Mann sitzt zusammen mit der Anästhesistin bei mir – hinter dem Vorhang. Und plötzlich geht es los.

Ich spüre keine Schmerzen, aber ich spüre deutlich, dass nicht gerade zimperlich an mir herumgezogen wird. Es ruckelt und das bekomme ich auch mit. Immerhin wird da gerade ein fertiges Kind aus meinem Bauch geholt. 3200 Gramm pures Wunder.

Um mich abzulenken, erzählt mir die Narkoseärztin von ihren eigenen Kindern – zwei Söhne hat sie. Und der Große verdreht den Mädels in der Grundschule ganz schön den Kopf.

Und nach knapp zehn Minuten hören wir den ersten Schrei. Er ist da.

„Er sieht aus wie seine Schwester!“

Das war mein allererster Gedanke. Coco und Leni gehören unverkennbar zusammen. Ich bin erschöpft, aber unendlich glücklich. Während ich zugenäht werde, begleitet Filipe die Hebamme zur U1.

Leider sind die Bonding-Zimmer belegt, weshalb ich nach einer halben Stunde Kuscheln in den Aufwachraum geschoben werde. Nicht cool, denn eigentlich will ich gerade nur eins: bei meinem Baby sein. Nach sechs langen Stunden darf ich dann zurück zu meinen Männern – mit einer kleinen Entschädigung: wir bekommen ein Familienzimmer.

Die Schmerzen danach

Meine positiven Erfahrungen vom ersten Kaiserschnitt könnt ihr hier im Blog nachlesen. Diesmal war die Nummer jedoch deutlich schmerzhafter. Während ich vor zwei Jahren nach einem Tag wieder selbstständig aufstehen und langsam zum Wickeltisch laufen konnte, schaffe ich es jetzt nicht einmal, mich auf die Seite zu drehen. Mein Kind alleine aus der Wiege heben? Unmöglich. In der zweiten Nacht müssen mich zwei Schwestern zur Toilette tragen, weil ich vor Schmerzen nicht eine Sekunde stehen kann. Es ist diesmal wirklich anders und jeder, der sagt, ein Kaiserschnitt wäre der einfache Weg, hat schlichtweg keine Ahnung.

Jetzt heißt es erstmal: ankommen.

Nach wenigen Tagen geht es nach Hause. In den eigenen vier Wänden erhole ich mich am besten. Die ersten Wochen haben wir jede Menge wunderbare Unterstützung von der Familie. Der Ehemann, die Omas, Opas und die Tante packen alle mit an. Ohne sie wären für mich die ersten Wochen nach der OP nicht machbar gewesen.

Während die anderen den Haushalt schmeißen und sich um den Hund kümmern, genieße ich das Wochenbett. Coco ist endlich da und wir sind jetzt komplett.

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Ein Kommentar zu „Geburtsbericht: mein zweiter Kaiserschnitt

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